Praxis Blog
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Es ist, denke ich, kein Zufall, dass ein Wissenschaftler wie Stephan Marks Toni Morrisons "Bluest Eyes" zitiert. Pecula hat keine Schuld daran, dass sie ein schwarzes Mädchen ist - und schämt sich doch des Blickes der Anderen.
In der deutschen Sprache gibt es kein sich "Entschämen" und kein "Schambock" wie es einen Sündenbock gibt. Vielleicht sollte es aber. Vielleicht sollte es sich "Einschämen" eigeführt werden, als Akt die eigene Scham anzunehmen, einsinken zu lassen - um sie nicht in Aggression oder Perfektionismus verwandeln.
"Zwischen Joining und Ausschluss - Minuchin, Machtverhältnisse und feministische Systemik"
Ich freue mich sehr, dass mein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung (ZSTB 02/2026) erschienen ist.
Titel: Rassismus und Diversity II
Vielen Dank an Cornelia Tsirigotis und dem Verlag Modernes Lernen.
Abstract:
Die Systemische Therapie entstand aus der Kritik an der Individualisierung psychischen Leidens und richtete den Fokus auf Beziehung und Kontext. Am Beispiel Minuchins wird aufgezeigt, wie Erfahrungen mit Rassismus, Ausgrenzung und familiärer Hierarchie seine therapeutische Praxis beeinflussten. Zugleich blieben zentrale gesellschaftliche Machtverhältnisse, etwa im Hinblick auf Geschlecht oder soziale Zugehörigkeit, in seiner Theorie unbearbeitet.
Feministische Systemikerinnen wie McGoldrick und Goodrich haben auf diese Leerstellen hingewiesen und betont, dass familiäre Rollen und Narrative Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheit sind. Der Beitrag argumentiert für eine systemische Praxis, die soziale Kategorien wie Geschlecht, Herkunft und soziale Lage systematisch berücksichtigt.
"I adopted the marginalised poor population as my brothers and sisters … they became my Jews, or I became their Black." S. Minuchin
Kapitel "Gegen die Individualisierung des Leidens" :
"Die Geschichten erzählen Frauen.[1] Frauen lesen, Frauen erzählen sich, anderen Frauen und den Kindern die Familiengeschichten, spinnen die Beziehungsnetze, leisten Beziehungsarbeit, knüpfen Identitätsstränge, verwalten die Herkünfte und das Gefühl von Zu-Hause-sein.[2] So erging es auch Mara Selvini Pallazoli, deren Vater nie mit ihr über „seine Kindheit und Jugend gesprochen“ hat. Alles, was diese berühmte Vertreterin der Mailänder Schule über ihren Vater und die Familie erfahren hat, kommt von ihrer Tante Amalia.[3] Es war dieselbe Tante, die Maras Vater vor dem Hungertod rettete. Der gekränkte Patriarch, Maras Großvater, ließ aus Eifersucht seinen eigenen dreijährigen Sohn jahrelang nicht ins Haus. Die Rolle der Frauen, Mütter und Großmütter spielen keine geringe Rolle im Leben der prominenten Familientherapeut*innen.
So ist es auch bei Salvador Minuchin. Rückblickend mit 73 Jahren erkennt er, wie sehr seine Mutter sein Leben geprägt hat, obwohl er diesen Einfluss lange ignorierte.[4] Sie war es, die seinen Namen wählte, „Salvador“, der „Retter“, als hätte sie eine Ahnung von seinem zukünftigen Weg und Werk gehabt: vom Arzt über die Arbeit mit delinquenten Jugendlichen bis hin zum prägenden Familientherapeuten.[5]
Doch Minuchins autobiografische Reflexion beschränkt sich nicht auf familiäre Anerkennung. Er berichtet eindrücklich von seiner Kindheit als jüdischer Junge in einem antisemitischen Argentinien. Die Erfahrung sozialer Ausgrenzung, der Wunsch nach Zugehörigkeit und das gleichzeitige Gefühl von Selbstverachtung haben ihn tief geprägt: Er lernte seine eigene jüdische Identität verachten, nur um ein „guter Argentinier“ zu sein..."
👉Schreiben Sie mich an, wenn Sie den vollständigen Artikel lesen möchten.
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„Sprachverlust und Migration“
Ich freue mich sehr, dass mein Essay mit diesem Titel im aktuellen Merkur erschienen ist.
DER Merkur – Zeitschrift für europäisches Denken gilt seit 1947 als eines der wichtigsten Foren für geistige Debatten im deutschsprachigen Raum.
Hier der Anfang:
„Ich habe meine Muttersprache fast verloren, bevor ich alt genug war zu begreifen, dass man eine Sprache verlieren kann. Ich habe ihr nicht beim Weggehen zugesehen. Sie ist einfach irgendwann nicht mehr erschienen. Manche Worte kleben noch irgendwo zwischen Zunge und Gaumen, andere liegen auf dem Grund eines dunklen Brunnens, über den ich mich manchmal beuge. Manchmal glaube ich, ein Echo zu hören, aber vielleicht ist es auch mein eigenes melancholisches Wimmern.
Ich versuche, meinen Kindern Vietnamesisch beizubringen. Es kostet mich nicht selten Anstrengung und Überwindung, ganz besonders wenn ich vorlesend übersetze. Wörter, die nicht da sind, Sätze, die abbrechen wie morsches Holz. Die unauffindbaren Worte sind wie leere Wegmarken, die geradewegs in ein stummes Reich führen, in dem Verlust und Ohnmacht regieren…“
👉 Weiterlesen können Sie hier:
https://lnkd.in/e35HVcgc
👉 Oder mich anschreiben
Scham erzählen – eine machtkritische Selbstermächtigung
Ich freue mich sehr, dass mein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Systeme erschienen ist.
Herzlichen Dank an das Redaktionsteam für die ebenso anregende wie zugewandte Zusammenarbeit!
Der Text fragt danach, wie Scham als Erkenntnisform verstanden werden kann, nicht bloß als individuelles Gefühl, sondern als relationales und machtkritisches Geschehen, das unsere therapeutischen, biografischen und gesellschaftlichen Beziehungen prägt.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Arbeiten von Evan Imber-Black und Didier Eribon, die, auf unterschiedliche Weise, zeigen, dass das Aussprechen des Schamhaften eine Form der Selbstermächtigung ist.
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Zentrale theoretische Setzungen
„Die Scham braucht den Anderen, entsteht im Blick des Anderen. […] Sie ist kein bloßes Gefühl, sondern eine Erkenntnisform. In der Scham erkenne ich mich so, wie ich nicht gesehen werden will – nicht so, wie ich mich intendiere, sondern wie ich vom Anderen fixiert werde.“
Scham entsteht nicht im Inneren, sondern im sozialen Raum – im Blick, in der Zuschreibung. Sie ist nicht nur Ausdruck von Verletzung, sondern ein Ort des Wissens über Macht und Beziehung.
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Zur systemischen Praxis
„Systemische Therapeut*innen können sich nicht auf Wirkungen beschränken. Wenn es um Schamhaftes und Gewaltvolles geht, muss auch der spezifische Inhalt des Geheimnisses in seiner Bedeutung sichtbar werden.“
Systemische Arbeit muss sich, wo es um Scham, Gewalt oder strukturelle Verletzungen geht, auch dem Inhalt zuwenden: den sozialen, historischen und kulturellen Bedeutungen, die ein Symptom trägt. Nur so kann sie ethisch verantwortet und machtkritisch wirksam sein.
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Zur Macht und Erkenntnis
„Sich ohne Scham frei äußern zu können, ist ein Privileg. Leid hingegen entsteht in der Überanpassung – im Geheimhalten oder Hemmen schamhafter Selbstaspekte.“
„Ein Geheimnis veröffentlichen ist machtvoll – im Therapieraum ebenso wie im öffentlichen Raum.“
Scham verwandelt sich in Erkenntnis, wenn sie ausgesprochen wird. Was verborgen bleibt, erhält Macht durch Schweigen. Das Veröffentlichen des Schamhaften ist kein Verrat, sondern eine Form von Befreiung und Zeugenschaft.
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Autosoziobiographische Reflexion
Scham als internalisierte Form sozialer Ungleichheit prägt das Selbst und seine Beziehungen. Das autobiografische Schreiben eröffnet die Möglichkeit, diese Mechanismen zu erkennen und umzuschreiben – als Akt der Selbstermächtigung.
Man kann nicht nicht machtkritisch kommunizieren!
👉Schreiben Sie mich an, wenn Sie den vollständigen Artikel lesen möchten.
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